#NoInternetWeek: Nachtrag zum „digitalen Dilemma“

Dezember 20, 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

NoInternetWeek

Im Juni habe ich mich sehr ausführlich und kritisch über die Entwicklung unserer Kommunikationsgewohnheiten ausgelassen. Indizien für die Probleme, die die ständige Onlineverbindung mit sich bringt, liefern regelmäßig die populären Selbstversuche, in denen für einen bestimmten Zeitraum dem Internet entsagt wird. Eine besonders gelungene Variante lieferte vor zwei Wochen die Londoner Kreativagentur Mother, die mit dem Projekt „No Internet Week“ geschickt die vom 11. bis 15. November ausgerufene Internet Week auf den Kopf stellte. « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Das digitale Dilemma

Juni 3, 2013 § 6 Kommentare

Im Januar 2012 tauchte auf Tumblr erstmals das Bild eines Smartphone-Stapels auf, versehen mit den Regeln eines Spiels namens „Don’t Be A Di*k During Meals With Friends“. Die Kurzform: Beim Essen gehen mit Freunden werden alle Telefone aus der Runde mit dem Bildschirm nach unten gestapelt. Wer zuerst seines umdreht, zahlt die Zeche. Die Idee wurde mehrfach von reichweitenstarken Webseiten aufgegriffen, bis heute wird der Tumblr-Post fleißig neu gebloggt und das Bild in unterschiedlicher Form auf Facebook, 9gag und Twitter geteilt, es gibt sogar eine App („Phone Stack – Put down the phone and pick up the conversation!“). Tausende Menschen zeigen sich begeistert von der banalen Idee, sich bei einem Treffen mit Freunden mit den Anwesenden zu unterhalten und nicht mit einem Telefon.

Dabei haben wir selbst in der Hand, wo wir die Grenzen ziehen wollen.

PhoneStackGame

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Warum das Nobelkomitee Zuspruch verdient

Oktober 13, 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Der Friedensnobelpreis für die EU: Da werden auf der einen Seite Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, andere bezeichnen die Vergabe als zu einfach oder als Verlegenheitslösung. Es wird gelästert, was die Kolumnen, Blogs und Tweets hergeben. In Athen und Madrid gehen die Leute gegen die Staatengemeinschaft auf die Straße, es gibt Bilder von brennenden EU-Flaggen, und da soll diese Institution mit einem Friedensnobelpreis ausgezeichnet werden? Ja, und zwar genau zur richtigen Zeit.

Polizisten schützen das griechische Parlament im September 2011
(Foto: Mehran Khalili)

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Filmfutter für Kommunikationsmenschen und ein bisschen US-Politik

Februar 8, 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Aus gegebenem Anlass und als kleines Lebenszeichen: Vor kurzem bin ich in den Genuss von „The Ides of March – Tage des Verrats“ gekommen, in dem Ryan Gosling und George Clooney gemeinsam mit Philip Seymor Hoffman und Paul Giamatti die moralischen Untiefen eines Vorwahlkampfs für die US-Präsidentschaftswahl ausloten. George Clooney gibt den Gouverneur Morris, der als Kandidat seinen Parteirivalen Senator Pullman (Michael Mantell) ausstechen muss, bevor er von den Demokraten als Kandidat im Rennen um die US-Präsidentschaft gegen die Republikaner aufgestellt wird. Die beiden Demokraten kämpfen um den Staat Ohio, dessen Deligierte über die Nominierung entscheiden werden. Der Vize-Kampagnenchef des Gouverneurs (Gosling) gilt als talentiertester Medienmanager des Wahlkampfs und bereitet Pullmans Kampagnenmanager (Giamatti) Kopfzerbrechen. Also verführt dieser ihn zu einigen unklugen Schritten, die nicht nur Meyers Position in Gefahr bringen, sondern den gesamten Erfolg der Morris-Kampagne.

Wenn der Film cineastisch auch trotz der brillianten Leistung von Gosling streckenweise Schwierigkeiten hat, Fahrt aufzunehmen, ist er angesichts des gerade laufenden Vorwahlkampfs der US-Republikaner im Präsidentschaftswahljahr 2012 dennoch interessantes Futter für alle, die sich für PR und politische Kommunikation interessieren. Auf Deutsche dürften die Kampagnen der aktuellen republikanischen Kandidaten schrill und teilweise abschreckend wirken. Aber bei den Winkelzügen aller Beteiligten und den moralischen Fragen, die sich daraus ergeben, spielt der Film seine Stärken aus. Meyers ist glühender Anhänger seines Kandidaten Morris – bis er feststellen muss, dass auch Morris seinen propagierten Werten nicht immer gerecht wird. Sein Chef (Hoffman) predigt Loyalität als einzigen und höchsten Wert im Poltikbetrieb, aber reicht das als moralischer Kompass? Zählt der Sieg um jeden Preis oder der Sieg für die richtige Überzeugung? Fragen, die man sich während der Medienschlachten, die im US-Wahlkampf ausgetragen werden, gemeinsam mit Meyers stellen kann. „The Ides of March“ reiht sich damit in eine illustre Runde von Filmen ein, die sich dem Thema Moral in PR und Werbung stellen und die nicht nur für die Filmfreunde unter Kommunikationsprofis Pflicht sein sollten. Auf die Gefahr hin, dass die folgenden Empfehlungen den meisten schon bekannt sein dürften, möchte ich trotzdem auf drei weitere spannende Werke hinweisen. « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Was deutsche Agenturen von einer australischen Fernsehshow lernen können

Oktober 31, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Der Fernseher läuft, ARD, die Tagesschau ist gerade zuende. 20:15 Uhr, Primetime für innovative Familienshows wie „Der klügste Deutsche“, spannende Unterhaltung mit der „Landärztin“ oder eine faszinierende Dokumentation aus der Reihe „Wildes Deutschland“. Doch stattdessen nimmt die ARD ihren Bildungsauftrag einmal ganz anders wahr: Eine 45-minütige Show über Werbung, PR und Spin läuft an und ein teilweise fest, teilweise mit Gästen besetztes Expertenpanel hochrangiger Agenturprofis diskutiert mit einem Moderator, der sonst Comedian ist, aktuelle Werbeskandale, Kampagnen, Branding- und PR-Storys.

Absurd? Das australische ARD-Äquivalent ABC1 strahlt die Show  „Gruen Planet“ aus. Hervorgegangen ist Gruen Planet aus „The Gruen Transfer“, wo man sich vier Staffeln lang mit Produktwerbung auseinander gesetzt hat, psychologische und kommunikative Kniffe diskutiert hat und das Format „The Pitch“ eingeführt hat, in dem zwei Agenturen versuchen, eine scheinbar unlösbare Botschaft zu verkaufen („Let’s invade New Zealand!“). Warum die Show jetzt anders heißt und nicht mehr nur Produktwerbung behandelt, erklären die Macher ganz hervorragend selbst:

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„Suck it up, work harder, pay for everyone else“ – die Euro-Krise von außen betrachtet

Oktober 26, 2011 § 2 Kommentare

Das neue Jahrtausend müsste für Wirtschaftswissenschaftler eigentlich ein wahrgewordener feuchter Traum sein: Erst platzt die „New Economy“-Blase, die allen Reichtum durch das Internet versprochen hat, dann platzt die amerikanische Immobilienblase, die durch ausgefuchste Credit Defalt Swaps (CDS) die gesamte westliche Welt infiziert hat, weil jeder schnell Geld machen konnte und niemand gefragt hat, warum das eigentlich so gut funktioniert. Mit dem billigen Geld haben Irland und Spanien ihre ganz eigenen Immobilienblasen erfolgreich zum Platzen gebracht, Island hat Insolvenz angemeldet und Großbritanniens Bankensektor hat alle anderen Wirtschaftszweige im Königreich erfolgreich zurückgedrängt. So viel Forschungsmaterial dürfte es seit den dreißiger Jahren nicht mehr gegeben haben. Was vor ein paar Jahren noch Finanzkrise hieß, heißt jetzt Euro-Krise und drehte sich in der Öffentlichkeit vor allem um Griechenland, aktuell um Italien, auch schon um Spanien und selbst um Frankreich macht man sich Sorgen.

Wir Deutsche finden das alles gar nicht so amüsant: Weil wir das finanzkräftigste europäische Land sind, sollen wir, nachdem wir unsere eigenen Banken retten mussten, jetzt zuerst den Griechen und dann allen anderen gefährdeten Staaten unter die Arme greifen und sie vor dem Bankrott retten, damit der Euro nicht auseinanderbricht. Unfair, möchte man sagen, wo doch die Griechen sich die meisten Probleme selbst eingebrockt haben, wie wir inzwischen wissen. « Den Rest dieses Eintrags lesen »

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